Versehentliches Schließen von Flaschenventilen

Leider kommt es gelegentlich vor, dass sich Atemschutzgeräteträger das Flaschenventil versehentlich selbst schließen. Dieses Phänomen tritt bei Übungen und Einsätzen auf. Bei bestimmten Bewegungsabläufen (auch unter CSA) kann sich das Ventil schließen. Das Risiko kann durch das vollständige Öffnen der Flaschenventile verringert, jedoch nicht verhindert werden.

Die DMT Fachstelle Atemschutz (mittlerweile DEKRA-EXAM) veröffentlichte bereits 2002 das Infoblatt "Selbstständiges Schließen von Flaschenventilen".

Technisch gelöst werden kann das Problem durch Ventile mit "Kindersicherung" und/oder abgewinkelte Ventile. Auf den Bildern sehen Sie Flaschenventile, wie Sie beispielsweise in Schweden oder Polen Verwendung werden.

Typisches Ventil in Schweden (Foto: Björn Lüssenheide, 2003) Typisches Ventil in Polen (Foto: Björn Lüssenheide, 2013) Typisches Ventil in Deutschland (Foto: Björn Lüssenheide, 2005)

Im Folgenden finden Sie einige Zwischenfälle die wir veröffentlichen durften. Bitte bedenken Sie, dass es leider KEINE Meldepflicht gibt und wir lediglich die Spitze des Eisbergs präsentieren können.

17. Juli 2002

Osnabrück (Niedersachsen). Während einer Übung in der Rauchdurchzündungsanlage bekam ein Feuerwehrmann Luftnot. Er flüchtete aus der Anlage und riss sich die Maske vom Kopf. Das Flaschenventil hatte sich während dem Durchgang (Seitenkriechgang, Rauchgaskühlung...) "selbst" geschlossen.

Quelle: Björn Lüssenheide (Augenzeuge)

Anmerkung von dem betroffenen Feuerwehrmann: Die Flasche vom PA war bestimmt ganz geöffnet. Ich habe mich bei diesem Durchgang mind. sieben mal auf den Rücken gelegt. Bei sieben bis acht solcher Bewegungen kann das Ventil geschlossen werden. (Habe es noch einmal getestet).

10. September 2003

Koblenz (Rheinland-Pfalz). Nach einem Wohnungsbrand mit einem Brandtoten und mehreren gefährdeten Menschenleben kam es zu einem unbeabsichtigten Schließen eines Flaschenventiles. Der betroffene Kollege drehte sich das Ventil beim heraustragen der Leiche an der Wand des Treppenhauses zu. Ein solcher Vorfall war in Koblenz bis dato noch nicht bekannt geworden.

Bei dem gleichen Einsatz erlitt der 1. Angriffstrupp leichte Verbrennungen im Gesicht.

Quelle: Feuerwehr Koblenz

November 2007

Osnabrück (Niedersachsen). Während dem Training in einer Rauchdurchzündungsanlage erlitt ein Ausbilder Luftnot. Er erkannte, dass seine Flasche versehentlich geschlossen wurde (durch Bewegungsabläufe). Der Kollege entschied sich zum sofortigen Rückzug, da der Weg ins Freie sehr kurz war. Anmerkung: Das Flaschenventil war komplett geöffnet.

Quelle: Berufsfeuerwehr Osnabrück, Kamera: GAL 2007

10. November 2014 - Kellerbrand - Luftnot - ein FA verletzt

Schwarzenbek (Schleswig-Holstein). Intensiver Kellerbrand in einer Doppelhaushälfte. Parallel zur Brandbekämpfung im Keller, stieg ein Angriffstrupp zur Personensuche über die Drehleiter in das Dachgeschoss ein. Einer der beiden Atemschutzgeräteträger erlitt auf dem Weg in das Erdgeschoss plötzliche Luftnot. Der Feuerwehrmann konnte sich selbst retten. Aufgrund der Luftnot kurz vor dem Ausgang, musste er jedoch die Maske kurz vom Gesicht ziehen und atmete Rauch ein. Eine klinische Untersuchung blieb jedoch glücklicherweise ohne Befund. Wahrscheinlich wurde das Flaschenventil in dem sehr engen Treppenraum unbeabsichtigt geschlossen. Der bereitstehende Sicherheitstrupp (inkl. Rettungsset) wurde nicht tätig.

Ausführlicher Bericht mit Bildern

Quelle: Feuerwehr Schwarzenbek

20. Februar 2015 - Übung - Luftnot

Posen (Polen). An der Schule für Berufsfeuerwehren in Posen wurde ein Übung "Kellerbrand mit Atemschutznotfall" absolviert. Während ein Angriffstrupp mit dem C-Rohr vorging, unterstützte ein dritter Atemschutzgeräteträger den Schlauch nachzuführen. Am Zugang stand ein Sicherheitstrupp bereit. Im Verlauf der Übung wurde ein Atemschutznotfall simuliert. Ein Truppmitglied "kollabierte" und sollte vom Sicherheitstrupp gerettet werden. Der "Bewusstlose" wurde am Boden liegend gezogen. Während dieser Sofortrettung wurde unbemerkt das Flaschenventil zugedreht. Der "Bewusstlose" riss sich die Maske vom Gesicht. Quelle: Waldemar Pruss

Genutzt wurde ein Atemschutzgerät vom Typ MSA AirMaxx mit CFK-Flasche. Vermutlich wurde das Flaschenventil vor der Übung nicht ganz geöffnet.

30. März 2016 - Zugedrehtes Flaschenventil in Übungsstrecke

Harburg (Niedersachsen). Beim Durchgang durch die DIN-Übungsstrecke der Freiwilligen Feuerwehr im LK Harburg bekam ein Atemschutzgeräteträger nach kurzen Pfeifsignal plötzlich keine Atemluft mehr. Der drillmäßig trainierte Reflexgriff an das Flaschenventil zeigte, dass sich das Ventil während der Übung zugedreht hatte. Das Öffnen das Ventils behob das Problem. Dieser Vorfall ereignete sich kurz vor dem Verlassen der Übungsstrecke im Bereich der eingebauten Industriestrecke. Quelle: Lars Seeger